Martin Suter — Ein und alles
«Mila musste einen Moment stehen bleiben, so schwindelerregend war dieses Gefühl. Es war als befinde sie sich nicht inmitten des Lebens, sondern als habe sie es verlassen und betrachtete, erleben, fühle, rieche es von aussen. Und als sei sie trotzdem ein Teil von allem.»
Es ist sehr schwierig, etwas über Herrn Suters neues Werk zu sagen, ohne dem Leser, der erst damit anfängt, die Erkenntnis zu verderben, die ich auf jeder Seite, mit jedem Zeichen gespürt habe. Eigentlich kann ich dieses Buch erst mit jemandem besprechen, der es auch schon gelesen hat… Also möchte ich mich auf das beschränken, was ich schon vor dem ersten Lesen des Buches gewusst habe: Anfangs Oktober letztes Jahr nahm ich an einer Lesung mit Martin Suter in Berlin im Amiralspalast teil. Im Anschluss gab es ein Gespräch mit Linda Zervakis. Die Fernsehmoderatorin fragte, wovon sein kommendes Buch handeln würde. Martin Suter antwortete: «Vom kollektiven Bewusstsein.» Das hat mich umgehauen, weil ich nämlich gerade dieses Thema ausführlich behandelt gefunden habe bei Dan Brown! Sein Buch «Secret of the Secrets» führt auf eine himmelschreiende Art dieses Phänomen aus, welches natürlich von der Kirche negiert wird (wieso eigentlich?) und zu gewaltigem Konfliktpotential führt. Und nun Herr Suter?
Mit Aufregung erwartete ich dieses neue Buch und ich wurde nicht enttäuscht!
Anfangs langsam und dann immer schneller wird man in Milas Geschichte hineingezogen. Man spürt auch etwas aus der eigenen Erfahrung des Autors. Aus seiner Backlist weiss ich, dass er sich viel mit dem Tod und den Übergängen beschäftigt. Dazu gibt seine Familiengeschichte Anlass.
Also sage ich voller Respekt und im Begreifen des Ein und Alles:
«I want to believe»
Verlag: Diogenes | ISBN: 978-3-257-07396-6